291 Kilometer, rund 8 Stunden, 91 Tunnel, 291 Brücken — und ein Leuchtturm auf 2.033 Metern Höhe, mitten in den Alpen.
Streckenprofil schematisch, nicht maßstabsgetreu.
Der Spitzname stammt daher, dass der Glacier Express trotz seines Namens nie besonders schnell fährt — im Schnitt kommt er nur auf rund 36 km/h, weil die Strecke drei unterschiedliche Bahnunternehmen durchquert (ursprünglich Visp-Zermatt-Bahn, Furka-Oberalp-Bahn und Rhätische Bahn) und dabei enge Kurvenradien, Zahnradabschnitte und historische Tunnelquerschnitte einhält, die für höheres Tempo nicht ausgelegt sind. Das ist bewusst so: Die Fahrt ist selbst das Ziel, nicht eine schnelle Verbindung zwischen zwei Orten.
Der höchste Punkt der Strecke liegt auf 2.033 Metern am Oberalppass, einem klassischen Fotostopp unabhängig von der Jahreszeit. Direkt am Pass steht ein kleiner weisser Leuchtturm — ungewöhnlich fernab jeder Küste. Er markiert keinen Schiffsweg, sondern den Lai da Tuma, die Quelle des Rheins, der von hier aus rund 1.230 Kilometer bis zur Nordsee fliesst.
Für alle Reisenden ist eine Sitzplatzreservierung Pflicht — auch mit Swiss Travel Pass oder Eurail-Pass, die selbst nur die Fahrt, nicht die Reservierung abdecken. Die Reservierungsgebühr liegt bei mindestens CHF 54 pro Person. Seat-Reservierungen für die 1. und 2. Klasse öffnen 93 Tage vor Reisedatum; wer die Excellence-Klasse bucht, kann das für den gesamten Fahrplanzeitraum im Voraus tun. In der Hochsaison zwischen Juni und September sind besonders Vormittagsabfahrten ab Zermatt oft schon Wochen vorher ausgebucht.

Die Excellence-Klasse besteht aus einem einzelnen Panoramawagen mit 1+1-Bestuhlung quer zur Fahrtrichtung und Tisch-Sitzgruppen zu zweit auf beiden Seiten des Gangs — dadurch hat wirklich jeder einen Fensterplatz, anders als in der Standardklasse, wo die klassische 2+2-Anordnung mit Mittelgang auch einige Sitze weiter von der Scheibe entfernt platziert. Ein mehrsprachiger Audiokommentar über Kopfhörer erklärt automatisch die wichtigsten Streckenpunkte, warme Mahlzeiten werden direkt am Platz serviert.
Da der Stauraum in den Panoramawagen begrenzt ist, wird empfohlen, neben dem Handgepäck maximal ein weiteres Gepäckstück mitzuführen. Für grössere Koffer gibt es einen Kurierservice (Jaisli Mobility Service): Eine Online-Buchung bis 17 Uhr am Vortag garantiert die Zustellung am Zieltag bis spätestens 18 Uhr an die Zieladresse — praktisch, wenn man ohnehin lieber mit leichtem Gepäck im Panoramawagen sitzen möchte.
Der Glacier Express verkehrt ganzjährig. Im Sommer ist die Sicht auf die umliegenden Gletscher und Alpwiesen am klarsten, im Winter liefert die schneebedeckte Passhöhe ein eigenes, ruhigeres Panorama — dafür steigt bei starkem Schneefall das Risiko kurzer Verspätungen. Wer speziell den Blick auf den Rhonegletscher sucht: Er liegt in Fahrtrichtung Disentis–Andermatt auf der rechten Seite des Zuges.